
Beanstandungen
Der aus Deutschland angelieferte Neuzugang eines Kunden sollte lediglich in der Schweiz als Veteran zugelassen und einem gründlichen Service unterzogen werden. Im Verlauf der Arbeiten stellte sich der Wagen jedoch als waschechter «Blender» heraus.
Neben dem zerschlissenen Interieur und beschädigten Zierteilen fielen vor allem der schlechte Motorlauf, die ausgeschlagene Aufhängung und eine rund 1 cm dicke Schicht Unterbodenschutz am gesamten Unterboden negativ auf.
Grundsätzlich schienen alle Probleme lösbar – wäre da nicht die schlechte Ersatzteilversorgung.
Karosserie
Der schlechte Zustand des Fahrzeugunterbodens war der Auslöser für die umfangreiche Restauration. Unter der dicken Schicht aus Unterbodenschutz und Schmutz kam ein Flickwerk aus früheren Reparaturen und Rostschäden zum Vorschein.


Nach der Demontage der Achsen und des Motors wurde die Karosserie zum Trockeneisstrahlen gebracht. Dabei offenbarte sich das ganze Ausmass der früheren Reparaturen: geklebte, genietete, geschraubte, geschweisste und gelötete Bleche. Ein beeindruckendes Flickwerk!
Nachdem auch der Innenraum ausgebaut worden war, wurde der Unterboden beim Spengler fachgerecht instand gesetzt. Anschliessend wurden der Unterboden und der Motorraum neu lackiert.
Motor
Eine gründliche Diagnose brachte starke Laufspuren und eine zu geringe Kompression an den hintersten Zylindern zum Vorschein. Damit war klar: Eine komplette Motorrevision war unumgänglich.


Motorblock und Zylinderkopf wurden extern überarbeitet. Auch die Anbauteile des Motors mussten aufwendig instand gesetzt werden, da einige davon nicht mehr erhältlich waren.

Der Auspuffkrümmer konnte gebraucht noch aufgetrieben werden, befand sich jedoch in einem ähnlich schlechten Zustand. Deshalb wurde das Originalteil geschweisst und die Dichtflächen wurden gefräst.


Den Vergaser gab es zwar noch als Neuteil, doch auch dieser überzeugte nicht. Sein Befestigungsflansch war derart verzogen, dass er nachbearbeitet werden musste.
Da kein brauchbares Ersatzteil erhältlich war, musste auch die Nockenwelle nachgeschliffen werden.
Ein besonders hoher Aufwand war bei der Riemenscheibe erforderlich. Wie bei vielen Fiat-Modellen ist darin ein Schleuderfilter integriert. Bei diesem Fahrzeug war das Gussteil gerissen und bereits mangelhaft repariert worden.
Da das Fahrzeug mit einer Klimaanlage ausgestattet war, unterschied sich die Riemenscheibe von jener bei Modellen ohne Klimaanlage. Deshalb musste das Bauteil auf der Drehbank passend bearbeitet werden.



Getriebe
Einzig das Getriebe befand sich in einem zufriedenstellenden Zustand. Der Overdrive funktionierte einwandfrei, sodass lediglich die gealterten Dichtungen ersetzt werden mussten.
Die Kupplung wurde vorsorglich erneuert und das Schwungrad bei uns in der Werkstatt nachgeschliffen.
Aufhängung
An der Aufhängung waren praktisch alle Lagerungen eingelaufen und ausgeschlagen. Viele Komponenten konnten durch Teile anderer Fiat-Modelle ersetzt werden.
Der Fiat 2300 verfügt jedoch über eine spezielle Drehstabfederung an der Vorderachse. Die dafür benötigten Gummi-Metall-Lager wurden anhand eines eigens erstellten 3D-Modells von einem Zulieferer neu angefertigt.
Alle Aufhängungsteile wurden sandgestrahlt und neu lackiert.

Bremsanlage
Die Bremsanlage wurde komplett revidiert. Die Bremssättel wurden neu gehont und abgedichtet. Da die vorderen Bremsscheiben nicht mehr erhältlich waren, wurden sie überdreht.
Auch die maroden Bremsleitungen wurden erneuert und nachgefertigt.

Karosserie und Lackierung
Der Lack und die Karosserie wurde im Anlieferungszustand belassen. Karosserie und Lackierung
Der Lack und die Karosserie blieben im Anlieferungszustand erhalten. Lediglich am Unterboden und im Motorraum wurde nach der Rostbeseitigung eine neue Beschichtung aufgetragen.
Innenraum
Das Interieur war grundsätzlich noch brauchbar. Die Sonneneinstrahlung hatte jedoch zu Rissen im Kunstleder des Fondbereichs geführt. Zudem unterschieden sich die Vordersitze farblich von der übrigen Innenausstattung.
Der Kunde entschied deshalb, das gesamte Interieur mit einheitlichem Leder neu beziehen zu lassen.
Grössere Probleme bereiteten die Zierteile und Abdeckungen. Sämtliche Kunststoffteile waren mindestens an einer Stelle gebrochen. Auch die verchromten Teile waren beschädigt oder gerissen.
Die Kunststoffleisten am Dachhimmel und an den Seiten wurden aufwendig zusammengeschweisst. Fehlende Stellen wurden mit Kunststoff ergänzt, anschliessend gespachtelt und lackiert.
Abschluss
Die Arbeiten konnten erfolgreich abgeschlossen werden. Das Fahrzeug bestand die MFK und erhielt den Veteraneneintrag.
Es freut uns, dass der Kunde diesen kostenintensiven Weg gemeinsam mit uns bis zum Schluss gegangen ist. Das Ergebnis war jede Arbeitsstunde wert – auch wenn wir auf eine derart zermürbende Ersatzteilsuche gerne verzichten würden.